In den Jahrhunderten bis zum Beginn unserer Zeitrechnung und noch Jahrhunderte danach lebten in unserer Gegend unterschiedliche Stämme deren Zusammenfassung als Germanen wissenschaftlich noch umstritten ist. Schriftliche Aufzeichnungen über die hier lebenden Menschen gibt es, abgesehen von den Aufzeichnungen römischer Geschichtschreiber, von Chronisten aus dem deutschen Sprachraum erst aus dem 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. In dieser Zeit drängten die Sachsen (von dem alten Begriff "Sahs" für ein schwertähnliches Kampfmesser) in unsere Gegend vor. Um ihren Einfluß in den Gebieten, in die sie eingedrungen waren, zu sichern und zu festigen betrieben die Sachsen eine rege Siedlungspolitik. An günstigen Stellen schufen sie auf neuen Rodungen Haupthöfe. Bei Erreichung entsprechender Größe wurden durch Zerlegung des Haupthofes neue Höfe und daraus Dörfer geschaffen, deren Namen häufig mit "husen" endete, ( husen von hus = Haus). Bei uns typisch Hellinghausen (früher Hedelinghusen) Langenholzhausen (früher Holthusen) Brosen (früher Brochusen) usw. Das neu gerodete Land nannte man Gewanne (von gewonnen) und gab ihnen Flurnamen. Die durch Rodung entstandenen großen freien Flächen nannte man Mark. So bildeten Höfe die Dörfer, Dörfer die Markgenossenschaft und benachbarte Markgenossenschaften einen Gau. Im Bereich Kalldorf lag der altsächsische Gau Osterburg, etwa zwischen Rinteln und Vlotho. Über unsere Gegend gibt es erste schriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit von Karl dem Großen (742 -814). Einer der zuerst erwähnten Orte in der Nähe von Kalletal ist Rehme ( als Rimi an dem Fluß Wisura) 753 n. Chr. in Einhards Jahrbuch, Einhard war der Geschichtsschreiber von Karl dem Großen. Rehme hatte im Jahr (2003) seine 1250 Jahrfeier. Im Jahre 1013 taucht mit Hodarnhusen (Hohenhausen) bei den Erbgütern des Bischofs Meinwerk von Paderborn, das erstemal ein Kalletaler Dorf auf. Das Alter unserer Dörfer wird nach der ersten urkundlichen Erwähnung bemessen. Dieses Datum sagt aber nichts über den Zeitraum der Entstehung des Dorfes aus.
| 1507 aus | 7 Kolonaten mit ca. 55 Einwohnern |
| 1590 aus | 50 Kolonaten mit ca. 325 Einwohnern |
| 1788 aus | 91 Kolonaten mit ca. 640 Einwohnern |
| 1873 aus | 175 Kolonaten mit ca. 850 Einwohnern |
| 1910 | 946 Einwohner |
| 1939 | 860 Einwohner |
| 1950 | 1256 Einwohner |
| 1980 | 1386 Einwohner |
| 2000 | 1383 Einwohner |
| 2010 | 1347 Einwohner |

1571 In die neu gegründete erste lippische Landschule in Langenholzhausen müssen auch die Kalldorfer ihre Kinder schicken. Bis 1684 müssen sie diesen beschwerlichen weiten Weg auf sich nehmen, um etwas zu lernen. Ab 1684 werden sie dann in privaten Räumen in Kalldorf unterrichtet, bis 1695 die 1. eigene Schule in Kalldorf auf dem heutigen Grundstück Oberschelp errichtet wurde. Es folgte später ein Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft, die sog. alte Schule (heute Bierbaum auf der Gerkensrode). Die dritte Kalldorfer Schule wurde 1892 ihrer Bestimmung übergeben. Sie dient bis 1958 als Schule und wurde danach zu Mietwohnungen umgebaut. 1958 wird auf dem Daubstein zum 4. und wohl letzten mal eine neue Schule ihrer Bestimmung übergeben. Schon 1969 wird sie wieder geschlossen, seitdem fahren die Kalldorfer Kinder in die verschiedenen Schultypen im Kalletal, Vlotho oder Lemgo.
Die Entwicklung der Arbeitsplätze in Kalldorf
Da die bäuerlichen Höfe häufig zu klein waren (Kötterstellen), benötigte man zum Überleben einen zusätzlichen Verdienst. Deshalb gab es durch die Jahrhunderte in Kalldorf manch vorindustrielles Gewerbe. 1359 gründeten die Herren v. Callendorp die erste lippische Glashütte. Noch heute erinnert der Straßenname "Auf der Hütte" an diese Zeit.
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1603 wird in Kalldorf eine der ersten lippischen Papiermühlen errichtet. Sie arbeitete bis 1928. Auf dem Gelände der über 300 Jahre existierenden Papiermühle steht heute die Firma Meyra. Schon im Jahre 1948 hatte die Vlothoer Firma Stübbe von der UFA die Gebäude der ehemaligen Papierfabrik Nehrmann übernommen, um hier eine Spritzgussmaschinenproduktion aufzunehmen. Ende der 60er Jahre wurden dort mit über 1000 Beschäftigten in Kalletals größtem Industriebetrieb, Maschinen für den weltweitem Absatzmarkt produziert. Der 1969 von der DEMAG übernommene Betrieb wurde systematisch heruntergefahren, nach einigen Jahren des Leerstandes 1982 von der Firma Meyra übernommen. Heute ist die Firma Meyra eine der weltweit führenden Rollstuhlhersteller, mit zur Zeit über 500 Beschäftigten am Standort Kalldorf.
Darüber hinaus bietet die Firma Strate rund 50 Arbeitsplätze zur Herstellung von Beschlägen und Zubehör für die Möbelindustrie.
Aber noch einmal zurück in die Jahrhunderte zuvor. Wie schon erwähnt, mussten auch in Kalldorf die Kleinbauern sich durch unterschiedlichen Nebenerwerb einen Zuverdienst sichern. Über viele Jahre hinweg fanden sie durch Flachsanbau und der Herstellung von Leinengarnen und Leinentuch ein eher kärgliches aber notwendiges Nebeneinkommen. Auch beim Treideln der Weserschiffe von Vlotho nach Rinteln, übrigens eine körperlich überaus schwere Arbeit, kamen so 50 Einwohner zu einem, wenn auch nur dürftigem Zusatzeinkommen. Mit zwei Zügen ( 1 Zug = 25 Mann) waren hier kräftige Männer über Jahre im Einsatz. Erst 1836 fährt auf der Weser der erste Dampfer. Nach dem Niedergang des Leinengewerbes durch die neuen maschinellen Webstühle, eröffnete der Zieglerberuf vielen Kalldorfern eine Alternative. Während die Frauen zu Hause den Garten und ein kleines Feld bestellten, sich um das Schwein und die Ziegen kümmerten und für die Erziehung der Kinder verantwortlich waren, verdienten die Männer in der Fremde unter großer körperlicher Anstrengung das notwendige Bargeld für die Familie.
Wer nicht in die Fremde gehen wollte oder der körperlich schweren Arbeit des Zieglers nicht gewachsen war, ergriff häufig den Beruf des Zigarrenmachers. Die Zigarren wurden in Heimarbeit hergestellt, Frau und Kinder halfen mit. Der Tabak wurde ursprünglich zu Fuß von Vlotho geholt und die fertigen Zigarren wieder dorthin gebracht. Später geschah das mit dem Fahrrad.. Trotz einer überlangen Arbeitszeit blieben die Familien der Zigarrenmacher arm. Zigarrenmacher hat es in Kalldorf bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts gegeben.
Im Jahre 1884 wurde an der Caussee nach Vlotho, in der Nähe der Papiermühle, die Gaststätte "Kalldorfer Brunnen" errichtet. Ab 1887 wurde die auf dem Grundstück sprudelnde Solequelle wirtschaftlich durch die Errichtung eines Badebetriebes genutzt. Es waren 6 Wannen vorhanden, die bis Kriegsende genutzt wurden. Erster Betreiber des Solebades war Friedrich August Bökemeier (gen. Badewitz), gefolgt von seinem gleichnamigen Sohn. Ihm folgte Friedrich Sander, der Schwiegervater des heutigen Besitzers des Kalldorfer Brunnens Heinz Jungmann. Nach Aufgabe des Badebetriebes (gegen Rheuma, Gicht, Herzleiden, Ischias, Blutarmut usw.) nutzten Sander und Jungmann die Solequelle zur Herstellung von mit Kohlensäure versetztem Mineralwasser. Heute ist der Kalldorfer Brunnen Gaststätte, Restaurant und Hotel. Kalldorf als Solbad blieb eine Episode.
Kalldorf hat eine bemerkenswerte kulturelle Tradition, soweit es insbesondere die Musik und den Gesang betrifft. Schon 1885 gründen Kalldorfer den Männergesangverein "Eintracht Kalldorf". Er ist somit der älteste Verein in Kalldorf. 1888 schlossen sich die Ziegler in Kalldorf mit der Gründung eines Zieglervereines zusammen. 1988 zum 100 jährigen Bestehen des Zieglervereines wurde in der Ortsmitte ein Zieglerdenkmal errichtet, zur Erinnerung an diese Zeit.
In den 20er und 30 er Jahren erfreut das Mandolinenorchester "Heideröslein" die Kalldorfer. Auf Hochzeiten und zum Tanz spielen die Gebrüder Potthast ( Harmonika, Klarinette und Pauke) zusammen mit August Daubstein (Geige) bis in die Nachkriegszeit.
1951 wird das Doppelquartett gegründet. Die Tradition der Volksmusik setzen heute Hans - Dieter Stieber, Käthe und Willi Blanke sowie Marlene und Willi Siekmeier (+) fort. Fidele Kalletaler

1973 wird der Ortsverein Kalldorf der Arbeiterwohlfahrt gegründet.
1973 ist ebenfalls Gründungsjahr der Vereinsgemeinschaft.
1993 Das Dorfgemeinschaftshaus auf Engelsmeiers Hof wird eingeweiht.

Noch einige Daten zur Infrastruktur von Kalldorf
1921 Kalldorf erhält elektrisches Licht
1923 Unter dem kleinen Haiberg wird der heutige Friedhof neu angelegt
1925 Die Gastwirtschaft Dannhäuser wird gebaut
1947 Kalldorf wird an das Stromnetz von Wesertal angeschlossen
1956 Die Kalldorfer Wasserleitung wird fertiggestellt
1959 Mit dem Betrieb eines Bohrturmes erwachen in Kalldorf große Geldtrüume, zerplatzen aber bald wieder
1969 Kalldorf wird Bestandteil der Großemeinde Kalletal
1980 wird das Gemeindehaus der ev.ref. Kirchengemeinde einweiht
1986 Kalldorf erhät ein neues Feuerwehrhaus
1992 Kalldorf wird an das Erdgasnetz angeschlossen
1993 wird das Dorfgemeinschaftshaus seiner Bestimmung üergeben
1999 wird die weitgehend in Eigenleistung erstellte Friedhofskapelle eingeweiht
2008 Fertigstellung der Radwege rund um Kalldorf bis zur Landesgrenze NRW

